Mein Name ist Annelise Martins, ich wurde am 8. Mai 1957 in Obervaz, Graubünden, geboren. Wegen meiner schweren Körperbehinderung und den damit verbundenen medizinischen Behandlungen musste ich die Schule in einem Heim in Zürich besuchen, fern von meinen Eltern und sechs Geschwistern. Nach der Ausbildung als Büroangestellte bezog ich in Zürich eine eigene Wohnung und arbeitete als Datatypistin.
Einen Hund zu besitzen, war für mich schon als Kind ein scheinbar uner-füllbarer Traum. Meine schwere Körperbehinderung spielte dabei eine entscheidende Rolle. Im Dezember 1988 war es dann endlich so weit! Ich kaufte einen Welpen bei einem Bauern auf dem Land. Ich nannte ihn Pina. Der starke Mischlingsrüde entwickelte aber ein starkes Schutzverhalten in Bezug auf mich. Als er 1 1/2 Jahre alt war, durfte niemand mehr an den Rollstuhl heran treten und ich sah mich gezwungen, das Tier einzuschläfern. So musste ich auf eine sehr schmerzliche Weise lernen, dass Hunde für eine Aufgabe, die ein absolut belastbares Wesen erfordert, speziell ausgesucht und entsprechend trainiert werden müssen.
Durch einen Artikel in der Tierwelt vom Kynologen und Experten Urs Ochsenbein wurde ich auf die amerikanische Ausbildungsstätte, die in dieser Sparte Pionierarbeit geleistet hatte, aufmerksam. Die wertvollen Hilfeleistungen der bemerkenswerten Assistenten waren in der Schweiz noch gänzlich unbekannt und unerschwinglich.
Die Erlebnisse mit Pina und sein Schicksal bewogen mich, nach Amerika zu gehen und mich bei den Pionieren dieses Fachwissens, zur Assistenzhunde-Instruktorin, ausbilden zu lassen. Urs Ochsenbein, der mir stets zur Seite stand, verhalf mir mit einem Empfehlungsschreiben an die Gründerin des Ausbildungszentrums, Dr. Bonita Bergin, zu einem Ausbildungsplatz.
Die Paraplegiker Stiftung und Pro Infirmis machten es mit ihrer finanziellen Hilfe möglich.
Ich gründete darauf im Januar 1994 den Verein "Rollstuhlbegleithund Schweiz", in der Folge Assistenzhunde Verein Schweiz. Ich bildete meine geliebte Deutsche Schäferhündin, Keva, zur ersten Assistenzhündin der Schweiz aus. Plötzlich entdeckte ich, dass ich mit Keva über tausende von Kilometern hinweg einen telepathischen Austausch pflegen konnte. Dieser bezog sich nicht nur auf ihr Wohlbefinden, ich konnte ihr auch Botschaften schicken.
Neben der Ausbildung von angehenden Assistenzhunden kümmerte sich der Verein um das Sponsoring und die gesetzliche Anerkennung der Assistenzhunde. Sie sollten einerseits von der Invalidenversicherung in den Hilfsmittelkatalog aufgenommen werden, und andererseits in Bezug auf sämtliche öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Lebensmittelabteilungen, in der gesetzlichen Lebensmittelverordnung (BAG) den Blindenführhunden gleichgestellt werden.
Damit wären Assistenzhunde kein Privileg mehr - sondern ein Recht, auf das behinderte Mitmenschen einen sozialversicherungsrechtlichen Anspruch hätten.
Migros Zürich leistete in dieser Hinsicht Pionierarbeit: Der Grossverteiler gewährte den Assistenzhunden in seinen Lebensmittelabteilungen, ohne den Entscheid vom BAG abzuwarten, den Zutritt.
Des weiteren wurden die Assistenzhunde in der Stadt Zürich von den Hundesteuern befreit.
In den letzten 4 Jahren reduzierten sich meine körperlichen Kräfte aber so, dass es mir nicht mehr möglich war, Hunde weiterhin auszubilden. Die Gesundheit wurde zunehmend zum zentralen Thema.
Zudem wurde es immer schwieriger, Hundeäuberungswiesen in der Nähe meines Wohnortes zu finden; die Stadt Zürich eliminierte ausgerechnet die beiden Säuberungswiesen, die am nächsten lagen.
Ich beschloss daher, inskünftig Assistenzhunde-InstruktorInnen auszubilden und so das "Wissen der Insider" weiterzugeben.
In diesem Sinne wünsche ich viel Freude beim Lesen meiner Homepage und für diejenigen, die eine Ausbildung bei meiner Schule in Erwägung ziehen, hoffe ich, bei der Entscheidungsfindung behilflich gewesen zu sein.
Annelise Martins
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